Das Gildehaus


Nach der Stadtrechtsverleihung an Uelzen im Jahre des Herren 1270, setzte ein regelrechter Bauboom ein, welcher den Wohlstand der hiesigen Kaufleute sowie Handwerker wiederspiegelte.
So entstanden im 13. und 14. Jahrhundert etliche baugeschichtliche Denkmäler, wie zum Beispiel
- die St. Marienkirche 1292
- die Heiligengeistkapelle 1321
- das Lüneburger Tor 1327
- das Rathaus 1347
- der Turm von St. Marien 1350
- die Apostelkapelle 1357
- der Hohe Chor von St. Marien 1380

Durch die Brandkatastrophe vom 20. September 1646 wurden viele bürgerliche Bauten aus der mittelalterlichen Blütezeit, der damals noch schönen Stadt Uelzen ( " eine schöne Stadt, die wie Lüneburg mit eitel steinern und glasurten Giebelhäusern gebaut war " ) zerstört.
Das einzige noch guterhaltende Bürgerhaus ( dank etlicher Restaurierungen ), ist das von uns heute genannte Gildehaus.

Kriege, Seuchen und Brände hinterließen in der gesamten Stadt ihre Spuren und diese Aufbauten kosteten den Uelzener Kaufleuten ihre letzten Kapitalreserven und die wirtschaftliche Entwicklung erlebte und erlebt bis heute einen Stillstand. Hieraus resultierte das notwendige Restaurationen ausblieben. So wurde bei einer Ausbesserung im 18. Jahrhundert oder zu Beginn des 19. Jahrhunderts zugunsten eines Nachbarhauses ein Bogenfeld von der Südseite abgerissen wurde. Diese Verstümmelung beeinträchtigt allerdings nicht den Gesamteindruck des schönen historischen Giebels.

Nach der Zerstörung des Gebäudes 1945, während der letzten Kämpfe um Uelzen, forderte der Rat der Stadt den Abriß, da nur noch die gotische Giebelfassade stand. Der Eigentümerin Dora Gieselberg und dem Architekten Friedo Behne ist der Wiederaufbau zu verdanken, welcher uns eines der schönsten und ältesten Gebäude und Gastronomieräume zurück gab.
Leider erlebte Frau Dora Gieselberg die Wiederöffnung ihres Lebenswerkes im Jahre des Herren 1953 nicht mehr.

Anhand einer Urkunde aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv in Hannover kann man ersehen, daß in jenem Haus im Jahre 1664 drei Gasträume vorhanden waren: Im Erdgeschoß eine Stube und eine Kammer und im Obergeschoß ebenfalls eine Kammer. Wobei es anfangs wohl nur mit der Braugerechtsame ausgestattet war, dann trieben fleißige Bürger Handel mit Getreide, Flachs und anderen landwirtschaftlichen Artikeln. Erst als es in dem Besitz der Familie Gieselberg 1906 überging, wurde es zu Schlachterei- und Restaurantzwecken eingerichtet. Durch musterhaften Wirtschaften nahm der Gastverkehr sehr stark zu, der Betrieb reckte und streckte sich von Jahr zu Jahr, sodaß man nach kleinen vorausgegangenen Veränderungen um die Wende 1925/26 an einen umfassenden Umbau herantreten mußte.

Seit 1966, als die Tochter von Dora Gieselberg die gutlaufende Gaststätte verkaufte, befindet sich das Gildehaus in den Händen der Familie Hannemann und Uelzen hat mit der " Gaststätte Wienerwald ", eine gute und schmackhafte Küche in seinem ältesten Bürgerhaus.